MOBBING
Mobbing am Arbeitsplatz
Mobbing am
Arbeitsplatz heißt: Am Arbeitsplatz
schikaniert, belästigt und drangsaliert, ausgegrenzt oder mit niedrigen Arbeiten
betraut zu werden.
Dies
muss wiederholt auftreten, mindestens einmal pro Woche, und sich
mindestens über einen Zeitraum von einem halben Jahr erstrecken. Mobbing am Arbeitsplatz wird in Zusammenhang gebracht mit Veränderungen im Erwerbsleben, Angst um den Arbeitsplatz, wachsende Anforderungen an die Qualifikation, Einbeziehung neuer Technologien, Stressbelastung, Flexibilisierung, Rationalisierung. Diese Vorgänge sind eine Realität geworden, denen sich einige Menschen nicht gewachsen fühlen.
Die
betroffenen Patienten sehen sich am Arbeitsplatz als Opfer von
Machenschaften, fühlen sich schikaniert und sehen darin die Ursache für
die mit der Arbeit auftretenden Beschwerden, die dann Anlass für die
psychotherapeutische Behandlung sind. Der Begriff Mobbing wird so zur Möglichkeit, Symptomen und Beschwerden ein Etikett zu geben und auszudrücken.
Eine
Gefahr besteht in der Neigung zu vorschnellen Mobbing-Unterstellungen, um
individuelle Defizite zu verbergen bzw. zu überspielen. Dadurch ist „Mobbing“
in der Psychotherapie umstritten, auch aufgrund eines zu häufigen und zu
wenig differenzierten Gebrauchs. Als gesundheitliche Auswirkung von Mobbing gelten:
Angenommen
werden zwei Hauptvarianten: Extreme Depression Extreme Obsession, die sich ausdrückt z. B. im krankhaften Wiedererzählen. Auftreten von Mobbing: Prävalenzrate (Häufigkeit und/oder Vorkommen 1,2 bis 3,5 %.
Auffällig
ist eine Überrepräsentation im Gesundheitswesen, (7-fach erhöhtes
Auftreten) und im Erziehungsbereich 3- bis 4-fach erhöht sowie besonders
ausgeprägt in der öffentlichen Verwaltung (4-fach erhöht). Frauen sind
eindeutig überrepräsentiert.
Strategien,
die von den Opfern beschrieben werden:
Immer
wieder ist von Mobbing-Opfern zu hören, sie fühlen sich in ihrer
Entscheidungskompetenz eingeschränkt bis hin zum Entscheidungsentzug.
Und/oder sie empfinden eine soziale Isolation, fühlen sich von den
Kollegen ausgeschlossen. Auch der Angriff auf die Privatsphäre ist ein
großes Problem beim Mobbing - Betroffenen: Sie werden von Kollegen in der
Öffentlichkeit lächerlich gemacht, in dem Witze über ihr Privatleben
gerissen werden. Auch verbale Drohungen und Aggressionen wie anschreien,
demütigen vor versammelter Mannschaft bis hin zur Androhung,
schlimmstenfalls Ausübung von körperlicher Gewalt sind häufig
vertreten. Am meisten aber wird im deutschsprachigen Raum die berühmte
„Gerüchteküche“ zitiert. Ursachen von Mobbing: Unterteilung in drei Bereiche:
Organisation
oder Gruppe/Täter/Opfer 1. Ursachen in der Gruppe/Organisation
Schlechtere
Einflussmöglichkeiten der Mitarbeiter, schlechter Informationsfluss,
mangelnde gegenseitige Akzeptanz der Mitarbeiter, hohes Maß an
Rollenkonflikten, fehlende soziale Unterstützung, geringere
Handlungsspielräume, andauernde Unsicherheit, arbeitsorganisatorische
Probleme durch widersprüchliche Anweisungen. 2. Ursachen beim Täter:
„Inoffizielle
Personalarbeit“ der Mitarbeiter untereinander oder in alle Richtungen.
Strategie zur Selbstwertstabilisierung (z. B. Bedrohung des eigenen
Status). Nicht bewusstes Mobbing durch z. B. zu lang ertragenen und
aufgestauten Ärger und Überreaktion. 3. Ursachen beim Opfer:
Geringes
Selbstwertgefühl oder mangelnde soziale Kompetenz, oder
Selbstunsicherheit bzw. hohes Selbstbewusstsein mit dem Gefühl
moralischer Überlegenheit (Zur Schau stellen von Leistungsbereitschaft,
Regidität, Übergewissenhaftigkeit, Unnachgiebigkeit und beharren auf den
eigenen Vorstellungen). Ein Phänomen das hierbei vorkommt, ist das
„unter keinen Umständen klein beigeben wollen“, was oft zu
jahrelangem Kampf der Patienten gegen die Ungerechtigkeit, die ihnen
widerfahren ist, führt. Betriebliche Auswirkungen sind:
Kosten
für Fehlzeiten, Kündigung und Versetzung, Reduktion des Commitments
(Dienst nach Vorschrift), Kosten durch arbeitsorganisatorische Probleme:
Ungenügender Informationsfluss, Kosten durch Rechtsstreitigkeiten und
durch Zeit, die Opfer, Täter und Gremien für den Mobbingfall aufwenden. Therapeutische Möglichkeiten
bei Mobbing:
Bedeutend
ist die Analyse der Hintergründe.
Im
problemorientierten Vorgehen erfolgt zunächst die Analyse und
Bearbeitung des so genannten externen Anteils (Aspekte der Firma, dann
Beziehungsmuster zum vermeintlichen Übeltäter). Erst dann erfolgt
Analyse und Bearbeitung der Eigenanteile, da im subjektiven Erleben des
Patienten andere Personen oder das Unternehmen hauptverantwortlich und
maßgeblich für die ihm entstandenen Probleme und den gesundheitlichen
Zustand gemacht werden. Es ist sinnvoll, diese Reihenfolge einzuhalten,
da sonst die Gefahr wächst unnötigen Widerstand zu aktivieren. 1. Therapeutisches Basisverhalten
bei Mobbing: 2. Informationsvermittlung von Konfliktmodellen bei
Mobbing 3. Verstehen der individuellen Situation. Zur Analyse von Eigenanteilen gehört: Gefühle, Modalitäten, körperliche Reaktion und Gedanken auf dem Hintergrund der Arbeitsplatzkonflikte erarbeiten. Vorherrschende Gefühle; Hilflosigkeit, Ängste, Wut, Unsicherheit, Scham und Schuldgefühle. Im beobachtbaren Verhalten zeigen sich: Rückzug, Isolierung aber auch Angriffsverhalten und Streitverhalten. Aufrechterhalten kann auch der Beitrag durch Familien und den Ehepartner sein, die entweder genervt oder mitleidig reagieren, was problemstabilisierend sein kann. Diese Analysen sollen neben den therapeutischen Ansätzen auch eine Veränderungsmotivation aufbauen helfen, weg von der Opferhaltung hin zu aktiver Auseinandersetzung und Problemlösung. Ergebnis kann auch sein, dass sich hinter der Mobbing-Problematik eines Patienten ein persönliches Interesse, z. B. Rentenbegehren oder Berufsunfähigkeit verbirgt. Weitere Inhalte der Therapie:
Sehr empfehlenswert ist eine auf Mobbing ausgerichtete Gruppentherapie zum Erleben eines sozialen Mikrokosmos.
Begleitend:
Ergotherapie als Arbeit in einer realitätsnahen Umgebung. Soziotherapie,
Sport- und Bewegungstherapie (Selbstwertproblematik). Lösungsrichtungen bei Mobbing: 1. Die aktive Problemlösung mit Rückkehr an den Arbeitsplatz, Anwenden der neuen Strategien und Zuversicht, eine Änderung herbeiführen zu können. 2. Das Arbeitsverhältnis kündigen wird am ehesten von älteren Arbeitnehmern wahrgenommen im Sinne eines so genannten geordneten Rückzugs: Längere AUS-Zeiten, vorübergehende Arbeitslosigkeit, gefolgt von der Hoffnung, früher oder später berentet zu werden.
3.
Diese Gruppe ist charakterisiert durch die Erkenntnis,
dass sie am Arbeitsplatz „keinen Blumentopf mehr gewinnen können“
und versuchen, sich „ein dickes Fell zuzulegen“, sich gegen Angriffe
zu schützen und versuchen durchzuhalten, um sich existentiell
abzusichern oder eine neue Stelle zu suchen.
Entscheidend
ist das Verstehen der Situation, das Erarbeiten einer Perspektive, um
durch neu gelernte Strategien das Selbstbewusstsein zu steigern bzw.
wiederzugewinnen.
Stationäre Psychotherapie bei Mobbing in der HWK II Einzel- und Gruppentherapie, Basisgruppe in Tiefenpsychologie, Psychodrama und Verhaltenstherapie) ggf. Indikationsgruppe.
Nach
einer Anfangs-Therapiephase beginnt eine Analyse von Eigenanteilen.
Besonders geeignet erscheint das Psychodrama, um sowohl Eigenanteile zu
entdecken, als auch in Form von Rollenspielen zur Führung eines
Konfliktgesprächs mit dem Vorgesetzten und/oder mit dem identifizierten
Mobber. Das Spektrum der Mobbing-Problematik kann dabei durch
systemische Elemente wie beispielsweise die Familienskulptur genauer
erfasst werden. Dem Betreffenden werden dabei Übertragungsmuster
verdeutlicht. Auf der physiotherapeutischen Ebene werden Entspannungsverfahren eingesetzt, wie z. B. die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, sowie Physikalische Therapie als allgemein roborierende und entlastende Maßnahmen. Durch Aktivierung der noch vorhandenen Ressourcen werden neue Bewältigungsstrategien erarbeitet, die dazu führen, dass das verlorengegangene Selbstwertgefühl allmählich aufgebaut und stabilisiert wird.
Zur
Reintegration in den Arbeitsprozess werden konkrete Hilfen durch die
Sozialtherapie angeboten. Dazu gehören: Maßnahmen der stufenweise
Wiedereingliederung, Fragen zur wirtschaftlichen Absicherung, Fragen zur
beruflichen Weiterqualifikation, Umschulungsfragen etc. Möglich sind
auch externe Belastungserprobungen in ausgesuchten berufsspezifischen
Betrieben in der näheren Umgebung. Zudem kann der Patient an einem
Bewerbertraining teilnehmen oder sich im Rahmen einer berufsorientierten
Gruppe auf berufliche Alternativen vorbereiten. Mit den besten Wünschen Ihr Dr. med. B. Keller
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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